Berufsbegleitend studieren in der Schweiz: Der vollständige Leitfaden 2025/2026

Schnellantwort: Berufsbegleitendes Studium in der Schweiz gelingt am besten mit einem Pensum von 60–80 %. Studiengebühren an Fachhochschulen betragen CHF 700–960/Semester. 70 % der Arbeitgeber beteiligen sich gemäss Economiesuisse an den Kosten. CAS-Lehrgänge starten ab CHF 3 500, ein berufsbegleitender Master liegt bei CHF 5 000–15 000 gesamt.

Was bedeutet «berufsbegleitend studieren» in der Schweiz?

Berufsbegleitendes Studieren verbindet Berufstätigkeit und Hochschulausbildung in einem strukturierten Modell. An Schweizer Fachhochschulen (FH) und Universitäten sind Abend- und Wochenendseminare, Online-Module sowie kompakte Präsenzblöcke üblich. Im Gegensatz zum klassischen Vollzeitstudium bleibt das Erwerbseinkommen erhalten — ein entscheidender Vorteil in einem der teuersten Länder Europas.

Laut swissuniversities.ch absolvierten im Studienjahr 2023/24 rund 42 % aller FH-Studierenden ihr Studium in Teilzeit oder berufsbegleitend — Tendenz steigend.

Die 6 Studienformate im Überblick

  1. CAS (Certificate of Advanced Studies) — 10–15 ECTS, 1–2 Semester, ideal für Spezialisierungen. Einstieg ohne Grundstudium möglich.
  2. DAS (Diploma of Advanced Studies) — 30 ECTS, 2–3 Semester, Vertiefung nach CAS oder eigenständig.
  3. MAS (Master of Advanced Studies) — 60 ECTS, 3–4 Jahre berufsbegleitend, entspricht einem Weiterbildungsmaster.
  4. Bachelor FH berufsbegleitend — 180 ECTS, 4–5 Jahre, setzt i.d.R. Berufserfahrung voraus. Präsenz meist Do/Fr/Sa.
  5. Master of Science / Master of Arts FH — 90–120 ECTS, 2–3 Jahre berufsbegleitend, konsekutiv oder weiterbildend.
  6. Fernstudium / Online-Studium — Fernfachhochschulen (FFHS, Kalaidos) bieten vollständig ortsunabhängige Programme an.

Kosten: Was kostet berufsbegleitendes Studieren wirklich?

Die Studiengebühren variieren stark je nach Hochschule, Studiengang und Subventionierungsgrad des Kantons. Die folgende Tabelle zeigt Semestergebühren für berufsbegleitende Bachelor- und Master-Programme:

Hochschule Studiengebühr/Semester Bemerkung
ZHAW CHF 1'020 Bachelor Wirtschaft berufsbegleitend
HES-SO CHF 700 Kantonale Subvention (Westschweiz)
BFH CHF 850 Berner Fachhochschule, diverse Studiengänge
FH Graubünden CHF 960 Inkl. hybride Lehrveranstaltungen
FFHS CHF 1'800 Fernfachhochschule, Online-first
HWZ CHF 4'800 Hochschule für Wirtschaft Zürich, MBA

Hinzu kommen: Lehrmittel (CHF 300–800/Jahr), Prüfungsgebühren, allfällige Reise- und Übernachtungskosten für Präsenzblöcke sowie bei Fernstudien ggf. höhere Gebühren durch privaten Trägerstatus.

Finanzierung: Arbeitgeber, Stipendien & Bildungskredite

Eine Economiesuisse-Studie belegt, dass 70 % der Schweizer Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei Weiterbildungskosten unterstützen — entweder über direkte Kostenübernahme, Studienurlaub oder flexible Arbeitszeitmodelle.

  • Bildungsgutscheine: Einige Kantone (z. B. Zürich, Bern) gewähren Erwachsenen Bildungsgutscheine bis CHF 750 pro Kurs. Details: Bildungsgutschein Schweiz 2026 — Übersicht.
  • Fördergelder & Stipendien: Kantonale Stipendien, Stiftungen und Bundesbeiträge können berufsbegleitende Studiengänge teilfinanzieren. Vollständige Liste: Fördermittel Weiterbildung Erwachsene Schweiz 2026.
  • Bildungskredite: Banken und spezialisierte Anbieter (z. B. Migros Bank, Bildungskredite.ch) bieten zinsgünstige Darlehen ab 3 % p.a.
  • Steuerliche Abzüge: Weiterbildungskosten sind in der Schweiz bis CHF 12 000/Jahr (Bund) vom steuerbaren Einkommen abziehbar (Art. 26 DBG).

Anbieter-Vergleich: Die wichtigsten Hochschulen

Hochschule Stärken Format Website
ZHAW Wirtschaft, Technik, Gesundheit Do/Fr/Sa + Online zhaw.ch
FHNW Ingenieurwesen, Pädagogik, Soziale Arbeit Blockwochen + Abend fhnw.ch
BFH Architektur, Technik, Wirtschaft Hybrid (Bern) bfh.ch
HWZ BWL, Finance, Marketing (Zürich) Abend + Samstag hwz.ch
FFHS 100 % online, Flexibilität Online-Fernstudium ffhs.ch
Kalaidos Fernstudium, Flex-Modell Online + wenig Präsenz kalaidos-fh.ch
HES-SO Westschweiz, mehrsprachig Präsenz + Online (FR/DE) hes-so.ch

Zulassungsbedingungen: Was brauche ich?

Die Zulassung zum berufsbegleitenden FH-Studium setzt in der Regel voraus:

  • Bachelor-Stufe: Berufsmaturität oder gymnasiale Maturität + 1 Jahr Berufserfahrung; oder Eidgenössischer Fachausweis + Eingangsprüfung («sur dossier»).
  • Master-Stufe: Anerkannter Bachelor-Abschluss (FH oder Uni) im gleichen oder verwandten Fachbereich; 2–3 Jahre Berufserfahrung empfohlen.
  • CAS/DAS/MAS: Oft flexibler — FH-Abschluss oder gleichwertige Qualifikation + Berufspraxis. Quereinsteiger mit «sur dossier»-Verfahren möglich.

Detaillierte Informationen zu Aufnahmeprüfungen und Äquivalenzverfahren: berufsberatung.ch (Beratungsstellen in allen Kantonen).

Pensum und Zeitplanung: So organisieren Sie Ihren Alltag

Erfahrungsgemäss funktioniert berufsbegleitendes Studieren am besten bei einem Berufspensum von 60–80 %. Bei 100 % ist die Doppelbelastung laut einer Zürcher Studie (zh.ch) langfristig kaum aufrechtzuerhalten.

  • Wöchentlicher Studienaufwand: Typischerweise 10–20 Stunden (Vorlesungen + Selbststudium).
  • Präsenztage: Bei klassischen FH-Modellen: Donnerstag Abend, Freitag ganztags, Samstag halbtags.
  • Lerngruppen: Peer-Learning reduziert den Einzelaufwand um 20–30 % (FFHS-Studie 2023).
  • Urlaubsplanung: Prüfungsperioden (Jan/Feb und Jun/Jul) frühzeitig mit Arbeitgeber koordinieren.

Einen detaillierten Vergleich von Teilzeit- vs. berufsbegleitenden Modellen finden Sie in unserem Artikel: Teilzeitstudium Schweiz: Modelle, Kosten und Erfahrungen.

Branchenspezifische Empfehlungen

Nicht jedes Studienformat passt zu jeder Branche. Hier eine Übersicht:

  • IT & Tech: FFHS (online), FHNW (Informatik/Data Science) — hohe Nachfrage nach berufsbegleitenden MAS Cyber Security und Data Engineering.
  • Finanzen & Banken: HWZ, ZHAW (Finance), Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).
  • Gesundheit & Pflege: BFH, ZHAW Gesundheit — MAS in Pflegemanagement oder Public Health.
  • Pädagogik: FHNW, PHBern — viele Programme speziell für Lehrpersonen konzipiert.
  • Management & Leadership: HWZ Executive MBA, ZHAW MAS Business Administration — Weiterbildungstrends im Detail: Weiterbildungstrends 2026 in der Schweiz.

Schritt-für-Schritt: So bewerben Sie sich

  1. Studienprogramm auswählen (Vergleich via kurs-finder.ch)
  2. Zulassungsbedingungen prüfen (Hochschulwebsite + berufsberatung.ch)
  3. Finanzierungsplan erstellen (Arbeitgeber anfragen, Stipendiensuche)
  4. Bewerbungsunterlagen zusammenstellen (CV, Zeugnisse, Motivationsschreiben)
  5. Online-Bewerbung einreichen (Frist: je nach FH Jan–Apr für Herbstsemester)
  6. Arbeitgeber über Studienplan informieren und Pensumsanpassung vereinbaren

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich bei 100 % Pensum berufsbegleitend studieren?

Theoretisch ja, praktisch aber sehr anspruchsvoll. Fachhochschulen empfehlen ein maximales Berufspensum von 80 %, damit genügend Zeit für Vorlesungen (8–12 h/Woche) und Selbststudium (8–10 h/Woche) bleibt. Fernfachhochschulen wie die FFHS bieten asynchrone Formate, die 100 %-Stellen eher ermöglichen — mit längerem Studienzeitraum.

Wie lange dauert ein berufsbegleitender Bachelor in der Schweiz?

Ein berufsbegleitender FH-Bachelor (180 ECTS) dauert in der Regel 4 bis 5 Jahre. Im Vollzeitstudium wären es 3 Jahre. Die längere Dauer ergibt sich durch das reduzierte Pensum: Statt 30 ECTS pro Semester werden meist 18–24 ECTS absolviert. Einige Hochschulen ermöglichen durch Anrechnung von Berufserfahrung eine Verkürzung um 1–2 Semester.

Übernimmt der Arbeitgeber die Studiengebühren?

Laut Economiesuisse unterstützen rund 70 % der Schweizer Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden finanziell. Die Modalitäten variieren: Volle Übernahme, Darlehen mit Rückzahlungspflicht bei Kündigung (Rückbehaltungsklausel), oder Zeitgutschriften statt Geldleistungen. Eine schriftliche Vereinbarung vor Studienbeginn schützt beide Seiten und klärt Verpflichtungen.

Welcher Abschluss ist berufsbegleitend am sinnvollsten?

Das hängt von Ihrer Ausgangslage ab. Ohne Hochschulabschluss bietet ein FH-Bachelor die grösste Hebelwirkung. Mit bestehendem Bachelor lohnt sich ein MAS oder ein konsekutiver Master für Führungspositionen. Für gezielte Fachvertiefung sind CAS-Lehrgänge (10–15 ECTS, 1–2 Semester) das effizienteste Format: schnell, praxisnah und mit hohem Return on Investment.

Sind Schweizer FH-Abschlüsse international anerkannt?

Ja. Schweizer Fachhochschulabschlüsse sind im europäischen Bologna-Raum vollständig anerkannt. Ein FH-Bachelor entspricht einem Bachelor of Science (BSc) bzw. Bachelor of Arts (BA), ein FH-Master einem MSc/MA auf Stufe 7 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR). Für aussereuropäische Länder empfiehlt die Rektorenkonferenz swissuniversities eine individuelle Überprüfung.

Gibt es staatliche Unterstützung für berufsbegleitende Studien?

Ja, auf mehreren Ebenen: Kantonale Stipendien (nicht alle Kantone, abhängig von Einkommensgrenze), Bildungsgutscheine für Erwachsenenbildung (Kantone Zürich, Bern, Aargau u.a.), Bundesbeiträge via Berufsbildungsfonds sowie steuerlicher Abzug bis CHF 12 000/Jahr. Ausserdem finanzieren zahlreiche Stiftungen wie der Berufsbildungsfonds oder die Stiftung Mercator spezifische Studiengänge.

Nächste Schritte & Weiterführende Ressourcen

Kurs finden & vergleichen: Nutzen Sie kurs-finder.ch, um berufsbegleitende Studiengänge, CAS-Lehrgänge und Weiterbildungskurse in der ganzen Schweiz zu vergleichen. Kostenlos, ohne Anmeldung. Oder holen Sie sich auf kurs-finder.ch/premium personalisierte Empfehlungen.
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