Eidgenössischer Fachausweis: Berufsprüfung, Kosten und Bundesbeiträge
Sie haben eine Berufslehre und einige Jahre Erfahrung — jetzt wollen Sie den nächsten Schritt machen? Der eidgenössische Fachausweis ist genau dafür gedacht. Er ist kein akademischer Titel, aber in vielen Branchen mindestens so viel wert wie ein Bachelor.
Was ist die Berufsprüfung?
Die Berufsprüfung (BP) ist eine eidgenössisch anerkannte Prüfung auf der Tertiärstufe B. Wer sie besteht, erhält den eidgenössischen Fachausweis. Es gibt über 240 verschiedene Berufsprüfungen in der Schweiz — vom HR-Fachmann über den Marketingfachmann bis zur Treuhänderin.
Voraussetzungen
In der Regel: ein eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder gleichwertiger Abschluss plus 2–5 Jahre Berufserfahrung im Fachgebiet. Die genauen Anforderungen variieren je nach Prüfung und werden von der jeweiligen Prüfungskommission festgelegt.
Ablauf und Vorbereitung
| Phase | Dauer | Details |
|---|---|---|
| Vorbereitungskurs | 1–2 Jahre | Berufsbegleitend, ca. 1–2 Tage/Woche |
| Zulassungsprüfung | — | Nicht bei allen Prüfungen |
| Eidg. Prüfung | 1–5 Tage | Schriftlich und/oder mündlich |
| Ergebnis | 4–8 Wochen | Bestanden = Eidg. Fachausweis |
Kosten und Bundesbeiträge
Die Vorbereitungskurse kosten typischerweise CHF 8'000–15'000. Seit 2018 übernimmt der Bund 50% der Kurskosten, maximal CHF 9'500. Der Beitrag wird nach der Prüfung ausbezahlt — unabhängig davon, ob Sie bestanden haben oder nicht.
| Beispiel | Kurskosten | Bundesbeitrag (50%) | Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| HR-Fachmann/frau | CHF 9'800 | CHF 4'900 | CHF 4'900 |
| Marketingfachmann/frau | CHF 12'500 | CHF 6'250 | CHF 6'250 |
| Treuhänder/in | CHF 14'000 | CHF 7'000 | CHF 7'000 |
| Wirtschaftsinformatiker/in | CHF 18'000 | CHF 9'000 | CHF 9'000 |
Dazu kommen Prüfungsgebühren (CHF 800–2'500) und eventuell Lehrmittel.
Die beliebtesten Berufsprüfungen
Die meistabsolvierten Berufsprüfungen 2025 in der Schweiz: HR-Fachmann/frau, Sozialversicherungsfachmann/frau, Marketingfachmann/frau, Fachmann/frau Finanz- und Rechnungswesen, Treuhänder/in, Wirtschaftsinformatiker/in. Diese sechs machen zusammen etwa einen Drittel aller Prüfungsabschlüsse aus.
Lohnt sich der Fachausweis?
In den meisten Fällen: ja. Studien zeigen eine durchschnittliche Lohnsteigerung von 8–15% nach Erwerb des Fachausweises. In Branchen mit Pflichtqualifikation (z.B. Treuhand, Versicherung) ist er sogar Voraussetzung für bestimmte Positionen.
Der Fachausweis signalisiert dem Arbeitgeber: Diese Person hat nicht nur Erfahrung, sondern hat sich auch theoretisch weitergebildet und eine anspruchsvolle Prüfung bestanden. Das öffnet Türen — besonders im Mittelstand.